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Naturheilmittel wirken, nicht immer, aber doch in vielen Fällen. Wie steht es dann mit der ärztlichen Ethik. Die Naturheilmittel haben ja oft keine nachgewiesene spezifische Wirkung, sind Placebos. Sind sie in diesem Fall nicht ausgemachte Lügen, sofern der Heiler weiß, dass die Effekte "nur" auf psychologischen Faktoren beruhen?
Die Wirkung von Interventionen eines Heilers (Arzt, Heilpraktiker, Psychotherapeut, Weise Frau, Schamane etc.) setzt sich wie folgt zusammen.
Durch Einsetzung ergibt sich zum Beispiel
sW und/oder uW können natürlich auch null sein. Der Wert von uW und sW ist abhängig vom Mittel und der Erkrankung bzw. Störung. Bei Befindlichkeitsstörungen (z. B. Schmerzen, Traurigkeit, Energielosigkeit u. ä.) ist uW verhältnismäßig hoch, bei anderen Erkrankungen ist der uW eher niedrig oder gleich null.
Die HW ist allerdings nicht der einzige relevante Faktor. Die zweite Variable ist die spontane Schwankung im Krankheitsverlauf (sS), die dritte die spontane Heilung (sH).
Der nach einer Behandlung gemessene Gesamteffekt (GE) setzt sich also zusammen aus: GE=HW+sS+sH.
Auch bei den sS und sH gilt, was für die uW gesagt wurde. Sie spielen bei Befindlichkeitsstörungen eine große Rolle.
Alle Heilmittel und Methoden können also mit einem Placebo-Effekt verbunden sein. Von einer Placebo-Pille oder einer Placebo-Methode spricht man, wenn das Medikament oder das Verfahren keine spezifischen Wirkungen haben. Solche Pillen oder Methoden nenne ich "echte Naturheilmittel". Sie berühen auf einer wohltätigen Lüge.
Worin besteht nun die wohltätige Lüge bei einem echten Naturheilmittel? Warum unterscheide ich eigentlich zwischen echten und enechten Naturheilmitteln? Im Grunde sind alle Heilmittel Naturheilmittel und alle Heilungen natürliche Heilungen. Denn gegen die Natur kann nichts heilen.
Daher ist die naturwissenschaftlich orientierte Medizin die eigentliche Naturheilkunde. Wenn ich von echten Naturheilmitteln spreche, dann meine ich jene Heilmitteln, die von ihren Verwendern als Gegensätze zur "Chemie" verkauft werden. Diese Verkaufsstrategie zielt also vom Ansatz her auf den Placebo-Effekt (und sie hat ihn auch nötig, weil "keine Chemie" ja nur ein Euphemismus für "keine sW" ist). Dies ist der erste Aspekt der wohltätigen Lüge. Der zweite Aspekt besteht dann darin, auf sS und sH zu vertrauen und diese Wirkungen dann dem echten Naturheilmittel zuzuschreiben ("Eine Erkältung dauert ohne Arzt eine Woche, mit Arzt aber nur sieben Tage").
Dadurch wird die Lüge zu einer Wohltat für alle - für Patienten und Heiler also gleichermaßen.
Wenn Heilmittel sW größer null haben, dann sind es keine echten Naturheilmittel, sondern banale schulmedizinische. Ihnen fehlt dann der magische Zauber. Das Opium beispielsweise ist ein reines Naturprodukt. Es hat aber, wie alle seine Derivate (Morphin, Heroin u. v. m.) neben den uW (die beachtlich sind) auch eindeutige sW und ist demgemäß kein echtes Naturheilmittel und seine Derivate erfreuen sich daher in der Schulmedizin großer Beliebtheit (wenngleich die hysterische Antidrogenatmosphäre leider immer noch verhindert, dass Schmerzpatienten angemessen behandelt und dass die anderen segensreichen Wirkungen dieser Substanzen voll ausgeschöpft werden, z. B. bei Psychotikern und Depressiven).
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