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Placebos
sind Medikamente oder Verfahren, deren potentielle Wirkung man (noch nicht)
physiologisch bzw. allgemein naturwissenschaftlich erklären kann.
Aber Placebos wirken. Nicht immer, aber bei vielen Krankheiten erstaunlich
häufig. Und darauf kommt es an. Die Mainstream-Medizin und
-Psychotherapie sollte dies endlich zur Kenntnis nehmen und ihre Geringschätzung
gegenüber alternativen, aber wirksamen Behandlungsmethoden aufgeben.
Zu diesen Suggestivmittel zählen z. B. Pyramiden, Meditationsbilder, Bachblüten-Essenzen, homöopathische Zubereitungen, Himalaya-Salz, tachyonisch aufgeladene Amulette, Akupunkturnadeln und viele andere geheimnisvolle Geräte, Talismane, Fetische und Elixiere.
Ein nüchterner, aufgeklärter Mensch mag die magischen Mittel als "Hokuspokus" bezeichnen. Diese abfällige Bemerkung kann aber die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, dass dieser "Hokuspokus" mitunter tatsächlich wirkt. Medikamentenstudien zeigen immer wieder, dass auch "Zuckerpillen" ohne medizinischen Wirkstoff zu statistisch signifikanten positiven Effekten führen.Ein Placebo-Effekt ist eine Wirkung, die nicht auf den materiellen Eigenschaften des Placebos beruht - aber der Placebo-Effekt ist dennoch Realität.
Die Wissenschaft kann allerdings noch nicht naturwissenschaftlich erklären, warum ein Placebo wirkt. Entsprechende Erklärungsversuche sind nicht bewiesen, es handelt sich höchstens um plausible Hypothesen (O'Mathuna 2003). Dasselbe gilt aber auch für esoterische, religiöse oder parapsychologische Erklärungsversuche der Wirkung magischer Mittel. Mit dem Begriff des Placebos zerreißt die Wissenschaft den mystischen Schleier.
Dieser wissenschaftlich klingende Begriff sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass er (noch) nichts zu erklären vermag. Im übrigen klingt der Begriff "Placebo-Effekt" sehr negativ. Er suggeriert, dass hier eine eingebildete Krankheit mit einem Scheinmedikament behandelt werde. Doch dieses Scheinmedikament ist an den entsprechenden psychosomatischen Prozessen gar nicht beteiligt. Daniel Moerman von der Michagan University hat deshalb vorgeschlagen, den Begriff des "Placebo-Effekts" durch "meaning response" (Reaktion auf Bdeutung) zu ersetzen (Lenzen 2003).
Auch für einen rational und wissenschaftlich orientierten Therapeuten gibt also keinen vernünftigen Grund, diese magischen Mittel abzulehnen, falls der Klient sie ernst nimmt. Und sofern es dem Erfolg der Therapie, des Trainings oder der Beratung dient, sollte er etwaige esoterische, religiöse oder parapsychologische Überzeugungen des Patienten positiv bewerten und nicht etwa kritisieren oder gar verunglimpfen. Denn diese Überzeugungen sind bedeutende Quellen psychischer Energie.
Allerdings darf der Glaube an die magische Kraft des Mittels nicht dazu führen, dass auf eigene Aktivität zur Erreichung des Ziels verzichtet oder diese vermindert wird. Förderlich ist vielmehr der Glaube daran, dass die magischen Mittel die eigenen Kräfte steigern und das für den Erfolg mitunter erforderliche Glück bringen (Glücksbringer).
Was über die magischen Mittel gesagt wurde, gilt gleichermaßen für die magischen Verfahren (Rituale).
Zu diesen zählen Séancen, Feuerlaufen, Schwitzhütten-Sitzungen, Hexentänze, Sufi-Übungen u. ä. Die genannten und alle anderen Rituale wirken, wenn sie wirken, vor allem durch die Kraft des Glaubens und der Suggestion. Sie sind also, wissenschaftlich formuliert, Placebos.
Also alles nur Einbildung? Sicher. Vielleicht nicht nur, aber auch. Na und? Die Einbildung (wissenschaftlich "Imagination") ist eine mächtige Heilkraft, gerade im psychischen Bereich. Innere Bilder werden zu Visionen, Visionen zu Zielen, Ziele motivieren Handlungen, Handlungen führen zu Erfolgen, Erfolge rufen zu innere Bilder hervor etc.
Prof. Ted J. Kaptchuk (2002) von der Harvard Medical School ist überzeugt, dass alternative, unkonventionelle Behandlungsmethoden häufig mit therapeutischen Mustern verbunden seien, die den Placeboeffekt erheblich verstärken. Zu den Faktoren, die für den verstärkten Placeboeffekt verantwortlich sind, zählt z. B. die Beziehung zwischen Arzt und Heiler.
"In der unkonventionellen Therapie", schreibt Kaptchuk, "werden die Erfahrungen des Patienten niemals entwertet oder als unzuverlässig beiseite gewischt. Die Heiler vermitteln dem Patienten eine Theorie, die ihre Behandlung verständlich macht. Mit einer klaren Diagnose und paradoxerweise breiten, nicht präzise festgelegten therapeutischen Zielen schaffen sie einen 'Manövrier-Raum' für positiven Fortschritt... Es ist wahrscheinlich, dass etwas Gutes geschieht und der Behandlung zugeschrieben wird."
Magische Mittel und Rituale korrespondieren mit Kraftquellen in der Innenwelt. Auch in einer wissenschaftlich fundierten Beratung oder Therapie wäre es töricht, diese psychischen Energien und die entsprechenden Erfahrungen und Glaubenssysteme der Klienten zu missachten.
Zur Lektüre empfohlen: Naturheilmittel - wohltätige Lügen?
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Brody, H. & D. (2002). Der Placebo-Effekt. Die Selbstheilungskräfte unseres Körpers. München (dtv)
Dilts, R. B. (1991). Identität, Glaubenssysteme und Gesundheit. Paderborn (Junfermann)
Kopta, M. (1999). Individual outcome and process research: Challenges to greater turmoil or a positve transition? In: Annual Review of Psychology
Kaptchuk, T. J. (2002). The placebo effect in alternative medicine: Can the performance of a healing ritual have clinical significance? In: Annals of Internal Medicine, 347, 81-88
Lenzen, M (2003). Medikamente, die gar keine sind. Der Placebo-Effekt spielt sich nicht im luftleeren Raum des Geistes ab, sondern im Stoffwechsel des Gehirns. In: Frankfurter Rundschau, 17.09.2003
Nelson, C. (2003). The placebo in alternative medicine: "real" healing or "nuisance noise"? In: The Back Letter, January
O'Mathuna, D. P. (2003). New findings and old myths about
the placebo effect. In: Research Practitioner, January-February
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