Die Hypnomeditation ist eine Kombination von meditativer Tiefenentspannung und Autosuggestion. Sie ist leicht zu erlernen, aber man braucht Jahre der Übung, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Hypnomeditation ist eine Methode zur Erforschung und Kontrolle der Innenwelt.

Hypnomeditation

  • hat nichts mit Esoterik zu tun
  • ist garantiert ideologiefrei
  • ist einfach und schnell zu erlernen
  • beruht auf den nachweislich wirksamen Verfahren der Meditation und Hypnose
  • muss mindestens 15 Minuten täglich praktiziert werden
  • erfordert keine Vorkenntnisse
  • ermöglicht die Kommunikation mit dem eigenen Unterbewusstsein
  • erlaubt die Korrektur unbewusster Kontrollen unseres Bewusstseins (unserer Wahrnehmung, Stimmung, unseres Denkens, Fühlens und unserer Erinnerungen)
  • ist kein Wundermittel, sondern ein Übung, die Ausdauer und Beharrlichkeit erfordert.

Grundlagen

Die Hypnose

Die Hypnose ist ein eigenständiger Bewusstseinszustand zwischen Wachen und Schlaf. Kleine Kinder befinden stets in einem hypnotischen Zustand, wenn sie nicht schlafen. Auch Erwachsene erleben häufig mehr oder weniger intensive hypnotischen Erfahrungen, ohne dass sie deswegen von einem Hypnotiseur in Trance versetzt werden müssten. Ein schönes Beispiel für derartige Spontanhynosen ist die erste Verliebtheit.

Ein herausragendes Merkmal der Hypnose ist die Konzentration der Aufmerksamkeit auf einen engen Bereich und die Hemmung aller anderen mentalen Prozesse (Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen etc.), die sich nicht auf diesen Bereich beziehen. Diese Kombination von Konzentration und Hemmung führt zu einer Veränderung und Intensivierung des Bewusstseins. In diesem Zustand ist der Mensch zu Leistungen fähig, die ihm außerhalb der Hypnose nicht möglich sind.

Wir unterscheiden zwei Grundformen der Hypnose, nämlich die Selbsthypnose und die Fremdhypnose. In der Selbsthypnose sind der Hypnotiseur und der Hypnotisierte ein und dieselbe Person. Im allgemeinen ist die Fremdhypnose eindeutig effektiver als die Selbsthypnose. Durch beständiges Üben kann man jedoch, bei entsprechender Begabung, in der Selbsthypnose dieselbe Stärke der suggestiven Effekte erreichen wie in der Fremdhypnose. Die Hypnomeditation ist im übrigen u. a. eine Technik zur Verstärkung der Selbsthypnose.

Die Hypnosetherapie ist die älteste Form der Psychotherapie. Aber nicht nur die Erfahrung aus Jahrhunderten spricht für sie, sondern auch eine Vielzahl von empirischen Studien aus unserer Zeit. Die überwiegende Mehrheit dieser Forschungen belegt die Effektivität der Hypnotherapie.
Im übrigen spielen hypnotische Prozesse auch bei sehr vielen anderen Therapieformen eine Rolle, obwohl dies ihren Anwendern und Patienten oft nicht bewusst ist. Dies gilt besonders für die klassische Psychoanalyse im Liegen, deren Begründer, Freud, seine Methode allerdings entschieden von der Hypnosetherapie abgrenzte. Doch, wie so oft, irrte Freud auch hier. Die Reizarmut des Behandlungszimmers, das entspannte Liegen auf der Couch und und die Konzentration auf innerseelische Vorgänge führen zumindest zu einer leichten Form der Hypnose und die Deutungen des Analytikers können durchaus wie hypnotische Suggestionen wirken.

Die Hypnose trägt spielerische Züge. Sie ist ein Phantasiespiel, ein Gedankenspiel, ein Sprachspiel, ein Spiel mit verteilten Rollen; zugleich aber ist sie ein veränderter Bewusstseinszustand, eine ernste Sache, weil sie den Bauplan unserer subjektiven Welt verändern kann. Die Hypnose birgt also auch Gefahren. Verschweigt ein Hypnotiseur diese Gefahren, so sind Zweifel an seiner Vertrauenswürdigkeit nur zu berechtigt.

Der amerikanische Hypnose-Experte John F. Kihlstrom z. B. definiert Hypnose als eine soziale Interaktion zwischen dem Hypnotiseur und dem Hypnotisierten, die durch folgende herausragende Merkmale gekennzeichnet ist:

  • Der Hypnotisierte folgt dem Hypnotiseur mit dem Ziel von Phantasieerfahrungen.
  • Diese Phantasieerfahrungen schließen Veränderungen von Gedanken und Handlungen ein.
  • Bei höchstgradig hypnotisierbaren Menschen sind die Reaktionen unter Hypnose mit einer Gewissheit verbunden, die an Wahnsinn grenzt.
  • Diese "hypnotischen Virtuosos" erfahren zudem eine Unfreiwilligkeit, die weitgehend einem unbezwingbaren Zwangsverhalten entspricht.

Nach landläufiger Meinung, die auch von vielen angeblichen Fachleuten aus Unwissenheit oder strategischen Gründen vertreten wird, kann niemand gegen seinen Willen hypnotisiert werden. Auch sei es unmöglich, einen Menschen unter Hypnose zu Taten zu veranlassen, die er im Normalzustand nicht begehen würde. Diese Auffassungen sind falsch - zumindest was die höchstgradig hypnotisierbaren "hypnotischen Virtuosos" betrifft. So belegen die von den Gerichtspsychiatern Ludwig Mayer (1937) und Paul Reiter (1958) eindeutig, dass kriminelle Hypnotiseure durchaus höchstgradig hypnotisierbare Menschen ohne eigene kriminelle Energie in Werkzeuge ihrer rechtsbrecherischen Ziele verwandeln können.

Der Psychologe Ernest R. Hilgard, der wohl bedeutendste Hypnoseforscher des 20. Jahrhunderts, beschreibt sieben grundlegende Merkmale des hypnotischen Zustands (Hilgard 1965):

  • Der Hypnotisand verliert die Initiative und den Wunsch, eigene Absichten zu verwirklichen. Der Wille des Hypnotiseurs wird mit dem eigenen Willen gleichgesetzt.
  • Die Aufmerksamkeit wird höchstgradig selektiv (z. B. hört der Hypnotisand u. U. nur noch die Stimme des Hypnotiseurs).
  • Die Fähigkeiten zur visuellen Erinnerung und Phantasieproduktion sind gesteigert.
  • Die Realitätsorientierung ist vermindert und die Toleranz gegenüber Verzerrungen der Realitätswahrnehmung ist erhöht.
  • Die Suggestibilität nimmt deutlich zu.
  • Die Bereitschaft zum Rollenspiel ist gesteigert.
  • Häufig kann sich der Hypnotisand nicht mehr an die Tatsache der und die Vorgänge während der Hypnose erinnern (posthypnotische Amnesie).

Die Hypnotisierbarkeit ist wie jedes Persönlichkeitsmerkmal variabel. Hilgard (1965) hat die Ergebnisse einer Reihe von Studien aus dem zwanzigsten Jahrhundert zusammengefasst. Danach sind im Durchschnitt 20 % der untersuchten College-Studenten kaum, 47 % leicht, 20 % moderat und 13 % höchstgradig hypnotisierbar. Nur eine Minderheit der Menschen erreicht jene Trance-Tiefe, in der ein fremder Wille uneingeschränkt als der eigene erlebt werden kann.

Zu den bemerkenswerten Phänomenen, die, abhängig vom Ausmaß der Hypnotisierbarkeit, in tiefen Trancezuständen auftreten können, gehören u. a.

  • psychogene Amnesie (Gedächtnisblockaden)
  • suggerierte Lähmungen
  • negative und positive Halluzinationen (der Hypnotisierte sieht Dinge, die nicht vorhanden sind, oder er sie vorhandene Dinge nicht)
  • Schmerzunempfindlichkeit
  • posthypnotische Befehle (Der Hypnotisierte führt nach dem "Aufwachen" aus der Hypnose eine während der Hypnose suggerierte Handlung aus, sobald er einen eingepflanzten Schlüsselreiz wahrnimmt. Er kann sich nicht an die Hypnose erinnern und glaubt, aus eigenem Antrieb gehandelt zu haben)
  • paranormale Phänomene (Präkognition, Gedankenlesen u. ä.)

In der Hypnomeditation werden diese zum Teil sehr spektakulären Phänomene jedoch nicht angestrebt. Es geht vielmehr u. a. darum, eine fundamentale Ebene des menschlichen Bewusstseins zu erreichen, die es erlaubt, mentale Programme zu verändern, zu löschen und neu zu kreieren.

Die Meditation

"Meditation" ist ein Sammelbegriff für Methoden der Innenschau. Diese Methoden sind uralt und weltweit verbreitet. Praxis und Theorie der Meditation sind Bestandteil vieler Religionen, esoterischer Systeme und Weltanschauungen. In Abhängigkeit von den religiösen, philosophischen und psychologischen Grundannahmen unterscheiden sich die verschiedenen Formen der Meditation nicht unerheblich vorneinander. Sie teilen jedoch u. a. folgenden Gemeinsamkeiten (La Torre 2001):

  • Die Aufmerksamkeit wird auf einen einzelnen, (sich in der Regel wiederholenden) Reiz eingeschränkt (Ein- und Ausatmen, ein Meditationswort, ein Klang, ein kurzes Gebet, ein Satz, ein Bild).
  • Der Meditierende wird, während er die Konzentration auf den meditativen Reiz aufrecht erhält, zum passiven Beobachter seiner Gedanken, Gefühle, inneren Bilder und akzeptiert diese, unabhängig von ihrem Inhalt, ohne kritische Bewertung.
  • Falls die Aufmerksamkeit zu wandern beginnt, wird sie wieder auf den meditativen Stimulus zurück geführt (refokussiert).
  • Sollten sehr starke Gefühle auftreten, so schwingt der Meditierende mit diesen Gefühlen mit, um die Aufmerksamkeit wieder auf den meditativen Reiz zu lenken, sobald diese Gefühle abklingen.
  • Mit zunehmender Meditationspraxis stellen sich beim Meditierenden physiologische Veränderungen ein, zu denen eine verringerte Herz-Rate und Atemfrequenz sowie ein gesenkter Blutdruck gehören. Außerdem verändern sich die Gehirnwellen und der Hormonspiegel (Cortisol und Serotonin) im Sinne einer Entspannungsreaktion.
  • Mit wachsender Meditationserfahrung werden die Inhalte der Gedanken und Gefühle bewusster, Muster mentaler Prozesse, geistige Gewohnheiten (Automatismen) werden erkannt und einst überwältigende Gefühle werden als Teil eines Ganzen verstanden, dem man sich in ruhiger Kontemplation zu widmen vermag.
  • Abwehrmechanismen lockern sich und gestatten das Auftauchen von psychischem Material, das bisher der bewussten Verarbeitung entzogen war.
  • Die Meditation mildert die innere Stimmung und schafft so einen sicheren Platz zur Integration beängstigender Gefühle und bedrohlicher Impulse.

Die meisten Menschen meditieren im Sitzen. Aber man kann auch im Gehen oder Stehen meditieren. Es ist keineswegs erforderlich, eine komplizierte Sitzhaltung einzunehmen, an die man nicht gewöhnt ist. Der Geübte kann in jeder Haltung meditieren, aber der Anfänger sollte es sich möglichst bequem machen - aber nicht zu bequem, denn sonst schläft man womöglich ein.

Meditation ist eine hervorragende, höchst effektive Methode zur Überwindung von Stress und zur Entspannung. Sie kann allerdings paradoxerweise auch Angst auslösen, wenn sie psychisches Material ins Bewusstsein hebt, das der Meditierende nicht zu verarbeiten vermag (Barbor 2001). Der amerikanische Psychiater und Buddhist Mark Epstein (1998) vergleicht die Meditation mit einem "Stealth Bomber". der sich durch jede Abwehr schleicht und "die zentrale Burg des Herzens" hell erleuchtet. Daher ist es ratsam, das Meditieren bei einem erfahrenen Meditationslehrer zu lernen.

Praxis der Hypnomeditation

Die Hypnomeditation ist eine Kombination von meditativer Tiefenentspannung und Autosuggestion. Sie verfolgt u. a. folgende Ziele:

  • Erforschung der eigenen Innenwelt zur Persönlichkeitsentwicklung ("Erkenne Dich selbst!")
  • Bewusstmachen abgewehrter psychischer Inhalte und Strukturen
  • Identifikation automatischer Gedanken, Gefühle, verzerrter Wahrnehmungen etc.
  • Löschung störender Automatismen und dysfunktionaler Verzerrungen geistiger Operationen
  • Überwindung innerer Blockaden
  • Verstärkung psychischer Energien
  • Erforschung transpersonaler Wirklichkeiten
  • Experimente mit paranormalen Fähigkeiten.

In der Hypnomeditation lernt der Klient zunächst, einen möglichst tiefen Transzustand zu erreichen. Er erhält ein zweisilbiges Meditationswort. Er denkt die erste Silbe des Meditationsworts beim Ein-, die zweite beim Ausatmen. Das Meditationswort darf nicht mehr geändert werden. Es wird den Meditierenden also ein Leben lang begleiten. Der Hypnomeditationslehrer fordert den Meditierenden in der ersten Sitzung auf, in sich hinein zu lauschen, damit das Meditationswort aus dem Unterbewusstsein auftauchen kann. Dies geschieht in der Regel spontan meist innerhalb weniger Sekungen und höchstens einiger Minuten - es sei denn, dass innere Widerstände gegen die Hypnomeditation dies verhindern.

Sobald sich der Meditierende im Zustand der Tiefenentspannung befindet, spaltet er sein Bewusstsein in einen "inneren Forscher" und einen "äußeren Wächter". Die Aufgabe des "äußeren Wächters" besteht darin, den hypnomeditativen Prozess störenden Einflüssen aus der Außenwelt bzw. ablenkenden Impulsen aus der Innenwelt zu bewahren. Der "innere Forscher" baut zunächst sein "Basislager" in der Innenwelt. Dies ist ein sicherer Platz, an dem die bereits vorhandenen inneren Ressourcen und psychischen Energien zur Verfügung stehen. Auf Basis vorher erarbeiteter Pläne beginnen nun die Expeditionen in die "inneren Bezirke", z. B.

  • das Land der Kindheit
  • die Welt der Träume
  • das Reich der Zukunft, der Hoffnungen, Sehnsüchte und Perspektiven
  • die Abgründe des Zorns, der Hasses, des Neids und der Missgunst
  • das Paradies der Freuden, Gelüste und Sehnsüchte.

Die "inneren Bezirke" werden so gewählt, dass sie in einer engen psychologischen und sachlichen Beziehung zu den realen Lebensproblemen stehen, die in der Hypnomeditation bearbeitet werden sollen.

Die in den "inneren Bezirken" gesammelten Erfahrungen werden nun genutzt, um im "inneren Laboratorium" reale Lebensprobleme des Klienten zu lösen. Zu diesem Zweck spaltet sich das Bewusstsein in einen "inneren Experimentator" sowie in Stellvertreter, die bei den jeweiligen Lebensproblemen eine wesentliche Rolle spielen. Der "innere Experimentator" entwickelt neue Handlungsmuster für das "reale Ich", verstärkt die zur Realisierung dieser Problemlösungsstrategien erforderlichen psychischen Energien, löst innere Blockaden auf und korrigiert Wahrnehmungsverzerrungen.

Die Hypnomeditation unterscheidet sich von der Hypnose vor allem dadurch, dass der Trainer weitegehend auf die Steuerung der inneren Prozesse verzichtet. Er versteht sich vielmehr als Assistent des "inneren Forschungsreisenden" und des "inneren Experimentators". Seine Aufgaben bestehen u. a. darin,

  • auf die Einhaltung des vorher festgelegten Ablaufs zu achten
  • Erfahrungen des Meditierenden zu strukturieren
  • bei der Formulierung von Suggestionen zu helfen
  • Anregungen zu geben
  • Stockungen aufzuheben und Prozesse zu intensivieren
  • Interpretationen vorzuschlagen

Es ist nicht unbedingt erforderlich, dass der Trainer bei den hypnomeditativen Sitzungen anwesend ist. Es ist auch möglich, dass der Übende dem Trainer seine Erfahrungen via E-Mail oder Telefon mitteilt. Hilfreich ist in diesem Fall die Unterstützung durch CDs mit hypnomeditativen Kontemplationen und Suggestionen, die eigens für den Übenden entwickelt werden.
Ein hypnomeditatives Training via Internet eignet sich jedoch nicht zur Behandlung psychischer Krankheiten und kann eine evtl. erforderliche psychotherapeutische und/oder psychopharmakologische Behandlung nicht ersetzen.

Das Ziel besteht in jedem Fall darin, den Meditierenden möglichst schnell von der Unterstützung durch einen Trainer unabhängig zu machen. Schließlich ist die Hypnomeditation eine Methode zur Erforschung der eigenen Innenwelt und zur Bewältigung von Problemen, die man regelmäßig und kontinuierlich anwenden sollte. Zum Meister der Hypnomeditation wird man in der Regel erst nach vielen Jahren der täglichen Übung.

Literatur

Barbor, C. (2001). The Science of Meditation. In: Psychology Today, May, 2001
Epstein, M. (1998). Therapy and Meditation: a path to wholeness. In: Psychology Today, May-June
Gilman, S. M. (2003). Stressed out? Try this: self-hypnosis and meditation can change your life. In: Medical Economics, May 23, 2003
Hilgard, E. R. (1965). Hypnotic Susceptibility. New York, Harcourt, Brace & World, Inc.
La Torre, M. A. (2001). Meditation and Psychotherapy: An Effective Combination. In: Perspectives in Psychiatric Care, 37 (3), 103 ff.
Mayer, L. (1937). Das Verbrechen in Hypnose und seine Aufklärungsmethoden. München / Berlin, J. F. Lehmanns Verlag
Meinhold, W. J. (1997). Das große Handbuch der Hypnose. Theorie und Praxis der Fremd- und Selbsthypnose. Das Hypnose-Standardwerk für Fachleute und Laien in vollständig überarbeiteter und erweiterter Auflage. Kreuzlingen, Ariston Verlag
Reiter, P. J. (1958). Antisocial or Criminal Acts and Hypnosis. A Case Study. Springfield, Ill., Charles C. Thomas, Publisher


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